Impuls zum Mittwoch der 2. Woche der Fastenzeit - 03.03.2021


Lieber Gott, ich bin nicht dumm, ich kann das auch noch andersrum.

Es mag an der Beobachtung der Finger gelegen haben, aber genauer betrachtet, ist auch dieser Satz nicht ohne.  Und gerade in den letzten Tagen ging er mir einige Male durch den Kopf und ist sicherlich bedenkenswert.

Diese Fastenzeit lädt uns nicht nur ein, unsere Fingerfertigkeit zu üben. Sie lädt uns ein, auch unsere Blickrichtung auf Gott zu lenken. Lieber Gott, ich bin nicht dumm…….

Ja, ich bin dein Gegenüber und ein intelligenter und verantwortungsvoller Mensch, der zusammen in der Gemeinschaft mit anderen Menschen, mit der Schöpfung und auch mit Gott steht.

So sind wir in dieser Fastenzeit besonders eingeladen, dieses Netzwerk in den Blick zu nehmen und zu bedenken.

In unseren Pfarreiengemeinschaften Meppen-Ost und Meppen-West haben sich Männer und Frauen auf den Weg gemacht, um sich ganz bewusst Zeit für diese Besinnung zu nehmen. Und das vier Wochen lang!

„Halt an, wo laufst du hin?“ so lautet die Überschrift über diese vier Wochen.

Als einen inspirierenden Impuls finden wir hierbei am dritten Tag ein Bild in dem Begleitbüchlein. Es ist ein Bild von Max Hunziker mit dem gleichnamigen Titel wie die Exerzitien „Halt an, wo laufst du hin?“ (leider können wir dieses Bild nicht abbilden, aber es ist für alle Interessierten im Internet zu finden). Es handelt sich um eine Farblithografie zum „Cherubinischen Wandersmann“ des Angelus Silesius von 1955, dessen voller Titel lautet: „Halt an, wo laufst du hin. Der Himmel ist in dir. Suchst du Gott anderswo. Du fehlst ihn für und für.“

Wir sehen auf diesem Bild, wie eine jüngere einer älteren Person begegnet.

In die Vorstellung dieses Bildes wie wir sie vom Kapuzinerpater Pius finden können, möchte ich Sie und Euch auszugsweise gern mit hineinnehmen:

Der Ältere trägt ein dunkles Gewand mit roten Sternen darauf. Der Weg des Mannes im Sterngewand ist zielgerichtet. Der Zeigefinger seiner rechten Hand weist die Richtung.

Hat er es eilig? Stürmt er voran? Der Halskragen seines Gewandes ist aufgerichtet.

Eine jüngere Gestalt beugt sich von rechts bzw. von oben dem Älteren entgegen. Sie kommt aus dem Unsichtbaren. Ist es vielleicht ein Engel?

Diese Gestalt fängt mit der rechten Hand die Zielstrebigkeit des Vorwärtseilenden ab. Zugleich legt er seine linke Hand auf die Schulter des Älteren: ein erster Berührungskreis.

Der Kopf des Jüngeren neigt sich auf die Stirn des Älteren. Sacht wird dessen Vorwärtsbewegung ab­gebremst. Ein zweiter Berührungskreis.

Berührung und Begegnung prägt dieses Bild. Und es stehen die Frage im Raum: Wo willst du hin!  Wo suchst du dein Glück? Was treibt dich vorwärts und Was ist dein Ziel?

Wer ist es, der mich berührt und mir begegnet?
Menschen, die es gut mit mir meinen, denen etwas an mir liegt?

Ist es Gott, der mich berührt und der mir in dieser Fastenzeit sagen möchte: Halt an, wo läufst du hin? Bedenke deinen Weg, bedenke dein Leben.
Lasse die Fragen an dich heran:
Wo suchst du dein Glück? Was treibt dich vorwärts? Was ist dein Ziel?
Immer verbunden mit der Zusage Gottes: Ich bin bei dir! Ich bin an deiner Seite.

Ich wünsche mir und uns allen, dass wir diese Berührung und Begegnung mit anderen und auch mit Gott zulassen können!
Dass wir die Fragen an unser Leben an uns heranlassen und auch die Bereitschaft zur Veränderung haben.

Kann sein, dass wir dann zugeben müssen – und dass dann nicht nur in einem Fingerspiel: Lieber Gott, ich bin nicht dumm, ich kann das auch noch andersrum!

Wagen wir es! Und vertrauen wir dabei auf Gottes Berührung und Beistand und nehmen wir diese bewusst wahr.

So wünsche ich Ihnen gute Tage in der Fastenzeit
Petra Kleene