Impuls zum Freitag - 08.01.2021


Bild von Gerd Altmann auf

Evangelium nach Matthäus                                     Mt 2,1-12

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten: Du Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige! Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einen anderen Weg heim in ihr Land.

Gedanken

Jedes Jahr nach Weihnachten beginnt die Umtausch-Saison: Mit manchen Geschenken weiß man einfach nichts anzufangen. Dabei hatten die Schenkenden vorher oft mühevolle Überlegungen angestellt

Kindern fällt das oft noch leicht, aber bei Erwachsenen ist das schon nicht mehr so einfach. Man stellt sich den Geschenkeempfänger vor und denkt nach: Was könnte er/sie brauchen? Was mag er/sie?

Auch die drei Weisen aus dem Morgenland haben sich vor der Auswahl ihrer Gaben vielleicht gefragt, was der neugeborene Messias brauchen könnte. Gelandet sind sie, wie wir alle wissen, bei Weihrauch, Myrrhe und Gold. Warum eigentlich? Welche Gedanken stecken hinter diesen Gaben? Und was würden die drei wohl heute schenken? Eine Spurensuche.

Weihrauch, das getrocknete Harz des Boswelliabaums, ist vor allem zu einer Sache nutze: um Wohlgeruch zu verbreiten. Unsichtbar bleibt der Weihrauchduft auch dann noch im Raum hängen, wenn die Rauchschwaden abgezogen sind. Damit ist der Weihrauch Zeichen für Gott selbst, der seine Gegenwart und den Wohlgeruch seiner Liebe überallhin verteilen will. Die drei Weisen schenken den Weihrauch, weil sie wissen: Jemand, der von Gott erzählen und seine Liebe verbreiten will, kann ihn gut gebrauchen. Weihrauch ist ein sinnvolles Geschenk für einen Priester; und die Sterndeuter waren sich sicher, dass Jesus als Hohepriester Gottes etwas damit anfangen kann.

Und heute? Was würden wir heute Jesus schenken? Was können wir geben, was dabei hilft, den Wohlgeruch Gottes zu verbreiten?

Myrrhe, das zweite Geschenk, ist ebenfalls ein Harz, das zu verschiedenen medizinischen Zwecken verwendet wurde. Myrrhe wirkt desinfizierend und wurde zur Einbalsamierung von Toten verwendet. Außerdem hat sie eine blutstillende, heilende Wirkung und wurde auch zur Betäubung und Schmerzlinderung eingesetzt. Desinfizierend, blutstillend, schmerzlindernd – Myrrhe ist das richtige Geschenk für einen Arzt und Heiler. Sie nutzt demjenigen, der sich kümmert um Tote, Verletzte und Leidende. Sie nutzt demjenigen, der Hoffnung und Heilung geben will. Mit der Myrrhe beschenken die drei Weisen Jesus, den Heiland der Welt.

Und wieder stellt sich die Frage nach dem Hier und Heute: Was könnten wir schenken, um Christus dabei zu unterstützen, Hoffnung und Heilung zu geben?

Mit ihrem letzten Geschenk, dem Gold, lagen die drei Weisen vielleicht ein bisschen daneben, auch wenn der Grundgedanke richtig war: Gold gilt von jeher als kostbares Metall und als Zeichen der Könige. Die Herrscher dieser Welt brauchten schon immer viel Gold, um Kronen zu schmieden, Paläste zu schmücken und ihre Angestellten, Diener und Heere zu bezahlen. Dass das Königreich Jesu von ganz anderer Art ist, konnten die drei Sterndeuter noch nicht wissen. Ihnen war aber klar: Dieses neugeborene Kind ist ein König. Und ein König braucht Gold, um in seinem Reich alles so zu regeln und zu bestimmen, wie er es für gut und richtig hält.

Noch immer ist es Jesu Wunsch, diese Welt nach Gottes Willen zu gestalten, sein Reich darin aufzubauen. Wie könnten wir heute seinen Wunsch erfüllen?

Würden die drei Weisen heute mit denselben Grundgedanken Jesus beschenken wollen, würden sie wahrscheinlich eher immaterielle Geschenken machen. Denn es geht bei ihren Gaben darum, Jesus als Priester, Heiland und König dabei zu unterstützen, Gottes Wohlgeruch in der Welt zu verbreiten, den Menschen Hoffnung und Heilung zu geben und Gottes Reich nach seinem Willen aufzubauen. Vielleicht würden sie heutzutage sogar Gutscheine verschenken. Einen Gutschein dafür, eine Woche lang mehr über ihren Glauben zu reden und Gottes Botschaft zu verbreiten. Einen Gutschein dafür, sich besonders um die zu kümmern, die in Not sind, die Hilfe brauchen, die hoffnungslos sind. Und einen dritten dafür, eine Woche lang gezielt darum zu beten, Gottes Willen zu erkennen, und ihm so zu helfen, diese Welt so zu gestalten, wie er es für richtig hält.

Und Sie, haben Sie schon Geschenke für Jesus? Ich bin mir sicher, er würde ihre Gutscheine mit großer Freude einlösen.

Günter Wessendorf
Quelle: Liturgie konkret