Impuls zum 27. Sonntag im Jahreskreis - Erntedankfest


Bild von Sabrina Ripke auf

Wie passt das Erntedankfest mit der Not so vieler Menschen zusammen? Warum ist die Nachfrage nach den Tafeln, die wenigstens für eine kurze Zeit satt machen, auch in unserem reichen Deutschland so groß?

Es passt dann zusammen, wenn wir unsere Verpflichtung als Christen ernst nehmen, als Gemeinde die Botschaft Jesu zu leben. Dann wird gerade auch am Erntedankfest wieder der Blick frei für den, dem wir zu Dank verpflichtet sind: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.“ (1 Tim 4,4-5)

In einer Zeit, in der jedes Obst und Gemüse in unserem Land um den Preis langer Transportwege und stromintensiver Kühlketten jederzeit verfügbar ist, wird jedoch der Dank für die Ernte im Herbst leicht zum frommen Ritual. Das Erntedankfest sollte für uns vielmehr ein guter Zeitpunkt werden,  persönlich Bilanz zu ziehen. Wofür kann ich danken?

Den Dank beziehen wir dabei nicht nur auf die Früchte des Feldes, sondern auch auf unser eigenes Leben. Beim Ernterückblick stellen sich dann viele Fragen: Was haben wir geerntet im letzten Jahr? Was haben wir in unseren Familien erreicht? Was ist uns versagt geblieben? Welchen Anteil habe ich daran? Wie konnte es zu Trennungen, Zerwürfnissen, Enttäuschungen oder Verletzungen kommen? Habe ich mich für Menschen eingesetzt, die der Hilfe bedürfen? „Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.“ (Mt 25,45)Wir blicken aber auch auf die gute Ernte zurück, auf Neuanfänge, auf positive Veränderungen, auf Menschen, die an unserer Seite waren und wir blicken auf den Weg, den Gott mit uns gegangen ist. Wir haben einen Anfang gemacht, als wir als Gemeinde beschlossen haben, einigen Menschen auf der Suche nach einer neuen Heimat Obdach zu geben. Was wir aus Gottes Saatgut machen, liegt an uns. „Gott, der Samen gibt für die Aussaat und Brot zur Nahrung, wird auch euch das Saatgut geben und die Saat aufgehen lassen; er wird die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen.“ (2 Kor 9,10)Gott beschenkt uns voraussetzungslos. Er knüpft seine Gaben nicht an Bedingungen. Er gibt umsonst.

Nicht alle aber partizipieren an den Früchten des Lebens in gleicher Weise. Vielen bleibt das versagt, wofür wir danken können. So ist gerade auch das Erntedankfest der geeignete Zeitpunkt, sich der Menschen, die im Mangel leben, die auf unsere Hilfe warten, zu erinnern. „In allem werdet ihr reich genug sein, um selbstlos schenken zu können; und wenn wir diese Gabe überbringen, wird sie Dank an Gott hervorrufen.“ (2 Kor 9,11) schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth und erinnert die dortigen Christen daran, dass diese Hilfe, diese Gabe für die Bedürftigen, ein Dank ist für das, was sie selbst von Gott empfangen haben.Indem wir mit den Menschen das zum Leben Notwendige teilen, wird unser Danken zum Zeichen der Güte Gottes. Zum christlichen Danken gehört eben auch, anderen die Chancen zu geben, ihren eigenen Selbstwert neu entdecken zu können. Tätig werden und die Aufnahme Hilfebedürftiger sind Formen christlichen Dankens. So wird das Erntedankfest zum Fest der Dankbarkeit des Lebens, das wir Gott verdanken. Es wird aber auch zur Verpflichtung, diesen Dank weiterzugeben, damit alle satt werden.

Text: Christoph Reiners / www.st-remigius.de