Impuls zum 2. Sonntag der Fastenzeit - 28.02.2021


Bild von Patricia Alexandre auf

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.                                       Röm 8,31b-34

Schwestern und Brüder!
31b Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?
32 Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
33 Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. 34 Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.

Wort des lebendigen Gottes

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus                                                                                                     Mk 9,2-10

In jener Zeit
2 nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihnen verwandelt;
3 seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.
4 Da erschien ihnen Elíja und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus.
5 Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja.
6 Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.
7 Da kam eine Wolke und überschattete sie und es erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
8 Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus.
9 Während sie den Berg hinabstiegen, gebot er ihnen, niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.
10 Dieses Wort beschäftigte sie und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,

kennen Sie das auch aus Filmen oder vielleicht sogar von Konzerten?
Da sitzt ein Musiker, eine Musikerin oder auch jemand mit Stimmgewalt und spielt bzw. singt mit geschlossenen Augen und solchem Gefühl ein Musikstück, dass man von Hingabe sprechen kann. Von dieser Hingabe ergriffen scheint derjenige, der das Musikstück präsentiert, so voller Liebe zur Musik und zu seinem Instrument, seiner Stimme, dass es einfach nur noch schön ist.

Bei Abraham sieht das ganz anders aus. Er lebt aus dem Glauben an einen Gott, der ihm einen Sohn geschenkt und seiner Familie Erfolg und Heil gegeben hat. Diesen Gott liebt er aufrichtig, ja vielleicht mit großer Hingabe und diese Hingabe wird auf eine schwere Probe gestellt.
Abraham hört von Gott, er solle seinen Sohn opfern und noch schlimmer, es soll nicht eine Zeichenhandlung sein, sondern sein Sohn soll ein Brandopfer sein.

Jede Mutter die und jeder Vater der das eigene Kind leiden sieht, ob wegen eines Unfalls oder wegen einer Krankheit, leidet mit und würde häufig selbst lieber dieses Leiden auf sich nehmen, als es beim eigenen Kind zu erleiden.
Aber auch sonst gibt es beim Lebenspartner, bei den Eltern oder bei anderen lieben Personen das Gefühl: Ach, könnte ich dir das doch nur abnehmen.
Und dann das. Dieser „liebe Gott“ verlangt das Übermenschliche: Bring deinen Sohn als Opfer dar.

Wie würden wir reagieren? Würden wir nicht weglaufen wollen wie Jona, dem die Aufgabe Ninive die Umkehr zu verkünden zu schwer war?
Würden wir uns nicht den Tod wünschen wie Elija der sich unter dem Ginsterstrauch hinsetzt und den Auftrag Gottes nicht erfüllen möchte?

Doch was tut Abraham dem Gott so viel Gutes getan hat?
Er macht sich mit einem Diener und seinem Sohn auf, um dem Herrn ein Opfer zu bringen. Er geht in seiner Treue zu diesem Gott so weit, dass er gefühlt sein eigenes Leben aufopfert, die Zukunft seiner Familie, den Sohn Isaak. Unglaublich…
Doch Gott schaut auf sein Handeln und gebietet Einhalt.
Die Treue und Hingabe dieses Mannes wird wieder belohnt, Isaak und er opfern gemeinsam einen Widder.

Tatsächlich ist doch für Abraham mit diesem Einschreiten Gottes eine Art Auferstehung geschehen. Abraham konnte wieder Hoffnung schöpfen für sich und seine Familie, das Geschlecht wird durch Isaak weiterleben.
Abraham hat das gespürt, von dem Paulus sagt: Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Und Paulus führt weiter aus, dass Gott weitergegangen ist, als Abraham. Gott hat seine Liebe, seine Hingabe an uns, seinen Geschöpfen erwiesen und das getan, was er bei Abraham und Isaak verhindert hat.
Er hat sich selbst aufgeopfert, ist bis ans Kreuz gegangen. Gott hat sich hingegeben, nicht irgendwen, nicht irgendwas – Gott hat sich selbst hingegeben.

Das Kreuz ist ein anderer Opferaltar als Abraham ihn auf dem Berg aus Holz aufgeschichtet hat. Doch das Kreuz steht ebenso erhöht, es zeigt die Verbindung Gottes zu uns Menschen. Und das Kreuz ist aus Holz, das für einen Opferaltar gereicht hätte. Hingabe stärker noch als er es von Abraham, ja von uns allen abverlangt.

Liebe Schwestern und Brüder,

wir sind in der Fastenzeit schon in der zweiten Woche. Und viele haben sich in dieser Woche mit Ausdauer und Freude schon der Gartenarbeit hingegeben. Da wurde geharkt und Laub entfernt, vielleicht noch wieder Büsche und Bäume beschnitten, damit alles schön aussieht. Zusätzlich haben manche für die Gesundheit Spaziergänge oder Radtouren gemacht.

Nun ist es an der Zeit tatsächlich in uns zu schauen:
Was erfüllt mich eigentlich mit so einer tiefen Liebe, mit so einem tiefen Vertrauen, dass ich mein Leben leben kann?
Mit welcher Hingabe liebe ich? Liebe ich andere Menschen? Liebe ich mich selbst? Liebe ich Gott?

Die drei Jünger auf dem Berg verstehen nicht, was Jesus meint, als er von der Auferstehung spricht. Und auch für uns ist dieses Geheimnis des Glaubens gar nicht so einfach. Was bedeutet für uns Auferstehung? Ist das nur, dass jetzt plötzlich wieder Krokusse, Schneeglöckchen und Osterglocken blühen wollen?
Oder bedeutet Auferstehung für uns auch eine innere Haltung, dass wir selbst uns durch Gottes Liebe aufrichten lassen und ihm vertrauen?
Jesus, der sich selbst hingebende Gott, bleibt nicht im Tod. Er steht auf zu einem Leben in das er uns mitnehmen will, dass er für uns bereitet. Vertrauen wir ihm wie Abraham und Mose und leben wir in der Hingabe zu Gott.

Amen

Gebet

Gott, du hast uns geboten, auf deinen geliebten Sohn zu hören. Nähre uns mit deinem Wort und reinige die Augen unseres Geistes, damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit und Liebe zu erkennen.
Hilf uns, mit Hingabe dir und dem Nächsten zu dienen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Amen.

Ralf Wellbrock