Frei leben - ohne Gewalt!


Erst vor einigen Tagen habe ich hierzu Artikel gelesen: Hochzeit auf den Philippinen - 13-Jährige muss 48-Jährigen heiraten. Für mich kaum vorstellbar, dass dies heutzutage immer noch passiert. Ein Einzelfall? Leider nein.

UNICEF schätzt, das jährlich 12 Millionen Mädchen - und auch Jungen- vor Ihrem 18.Geburtstag verheiratet werden. Unabhängig davon, ob diese Ehen freiwillig oder gezwungen stattfinden, sie verstoßen gegen Kinderrechte und haben weitreichende Folgen das spätere Leben der verheirateten Kinder und weiteren Generationen.

Auch wenn das Thema Zwangs- und Frühverheiratung in unserer Gesellschaft hier vor Ort – zumindest offiziell – kein großes Thema zu sein scheint, so gibt uns dieser Gedenktag auch die Möglichkeit, auf ein anderes, ebenfalls sehr wichtiges Themenfeld hinzuweisen: Die Zahl der in Deutschland von Gewalt durch ihren Partner betroffenen Frauen ist viel zu hoch.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat diesen Monat eine erschreckende Meldung herausgegeben. Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt innerhalb einer Partnerschaft oder einer beendeten Partnerschaft betroffen– die sog. häusliche Gewalt. Statistisch gesehen wird alle 45 Minuten eine Frau durch ihren Partner angegriffen oder verletzt. Gewalt gegen Frauen kann dabei verschiedene Formen haben: Es kann durch körperliche Verletzungen bis hin zur Tötung gehen- ebenso sexuelle Übergriffe,  Stalking, Belästigung und Demütigungen – Sie alle stellen gravierende Formen von Gewalt gegen Frauen dar. Gerade Demütigungen sind dabei am schwierigsten zu erkennen, so können sie doch längst zum einfachen Sprachgebrauch des Partners gehören, der sich über Jahre gefestigt hat. Oftmals geben die betroffen Frau ihrem Partner nicht zu verstehen, dass sie sich durch seine Wortwahl gedemütigt fühlen. Ich will nicht verschweigen, dass auch Männer von Gewalt durch ihre Partnerinnen betroffen sind.

Sehr problematisch für die Verfolgung dieser schwerwiegenden Taten ist, dass sie meist im häuslichen Umfeld erfolgen und viele Frauen aus Scham, Angst vor weiterer Gewalt und auch finanzieller Abhängigkeit vor einer Strafanzeige zurückschrecken. Es wird vermutet, dass nur rund jeder 4. Fall von häuslicher Gewalt zur Anzeige gebracht werden. Damit liegt die Dunkelziffer bei rund 75 % – 80 %. Das muss sich ändern!

Wenn Sie sich nun einmal umschauen, müssten laut Statistik schon hier in der Kirche Opfer von häuslicher Gewalt sitzen.

Wir sind alle gefragt und müssen unsere Augen und Ohren offen halten und auch auf eine Verwandte, Freundin, Nachbarin oder Arbeitskollegin zugehen, bei der wir vermuten, dass sie Zuhause Gewalt erfährt. Wenn wir betroffenen Frauen zeigen, dass wir für sie da sind, trauen sie sich vielleicht, den nächsten Schritt zu wagen. Keine Frau muss in einer Beziehung leben, in der sie Gewalt erfährt. Jeder hat ein Recht auf ein gewaltfreies Leben!

Wir von der kfd sind der Auffassung, dass es sich hierbei um ein sehr wichtiges Thema handelt, welches mehr Aufmerksamkeit erhalten muss. Wir müssen alle wachgerüttelt werden. Es geht nicht darum, Frauen zu stigmatisieren, die tatsächlich Gewalt erfahren, sondern es geht darum uns allen, Frauen wie Männer, die Augen zu öffnen und Sensibilität zu schaffen, wenn sich jemand aus unserem Umfeld der Gewalt erfahren hat immer weiter zurückzieht oder sich plötzlich im Verhalten verändert.

Wenn Sie in Ihrem Umfeld vermuten oder wissen, dass jemand Gewalt erfährt, aber nicht wissen, was Sie jetzt tun können, dann können wir Ihnen das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" empfehlen. Die ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben, aber eben auch für Angehörige, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung unter www.hilfetelfon.de werden Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung– 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr kostenlos und anonym beraten.

Da wir leider in der Corona-Zeit keinen eigenen Aktionstag hier vor Ort organisieren können, beteiligen wir uns an der Fahnenaktion der Organisation Terre des Femmes und hissen die Fahne hier in Bokeloh, in Helte und in Lohe. Auf der Fahne steht geschrieben „Frei leben – ohne Gewalt“. Außerdem werden vorne Flyer zu diesem Thema ausliegen, die Sie sich gerne mitnehmen können.

DANKE an alle die uns bei dieser Aktion unterstützen!

Helfen Sie mit und brechen Sie das Schweigen!

Danke!

KFD Bokeloh

Quellen:
https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/kinderehen-weltweit-fragen-und-antworten/199066

https://www.hilfetelefon.de/kampagnen-aktionen/aktionen/schweigen-brechen.html

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/haeusliche-gewalt/80642

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/haeusliche-gewalt/80642